Die Kenntnis der Standorteigenschaften ist Grundlage zur Bewertung von Flächen hinsichtlich ihrer Funktionen für die landwirtschaftliche Nutzung und den Gewässerschutz. Im Hinblick auf den Gewässerschutz sollen durch die Standortberwertung besonders sensible und damit für Beratung und Maßnahmen prioritäre Standorte ermittelt werden. Je nach Fragestellung kommen dabei unterschiedliche Methoden der Erkundung, der Bewertung sowie der stofflichen Zustandserfassung zur Anwendung:

Die Standortbewertung erfolgt im Hinblick auf den landwirtschaftlichen Gewässerschutz entweder lokal bezogen auf ein Wasserschutzgebiet oder großflächiger bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (Grundwasserkörper oder Flusseinzugsgebiet). Dabei werden die bodenkundlichen Kenndaten und die flächenbezogenen Nährstoffflüsse durchgängig von der Bodenoberfläche bis ins Grundwasser erfasst und bewertet:

  • Standortansprache nach der "Bodenkundlichen Kartieranleitung" zur Aufnahme von Bodentypen, Bodensubstraten und boden-hydrologischen Parametern (alternativ: Auswertung vorhandener Bodenkarten) zur Ermittlung von Flächen mit besonders sensiblen Standortdaten für den Grund- und Oberflächengewässerschutz.
  • Stickstoff-(Nmin)-Beprobungen, ggf.ergänzt um Humus- und Gesamt-Stickstoff-Untersuchungen zur Erfassung des Stickstoff-Nachlieferungsvermögens der Böden sowie Analysen von Grundnährstoffen (Phosphor, Kalium, Magnesium) zur Erfassung des Nährstoffzustandes in der Wurzelzone. Hierdurch wird eine mögliche Anreicherung von Nährstoffen, z.B. aufgrund langjähriger Aufbringung von Wirtschaftsdüngern, sichtbar.
  • Nitrat-/Sulfat-Tiefbohrungen durch Rammkernsondierungen mit Bodenprobenahme aus den unterschiedlichen Tiefenschichten zur Ermittlung der Bodensubstrate und der Nitrat- und Sulfat- Konzentration in der Sickerwasserzone (Bereich zwischen Wurzelzone und Grundwasser-Oberfläche). Dadurch werden auch stoffliche Umsetzungsprozesse in diesem Bereich erkennbar.
  • Einbeziehung vorhandener wasserwirtschaftlicher Messdaten zum stofflichen Eintrag in die  Grundwasserzone. Dabei erfolgt eine Auswertung der Daten von Grundwasser-Messstellen,  welche die Nitrat- und Sulfatkonzentration in der obersten Grundwasserzone abbilden. Mit diesen Daten kann eine Beziehung zu den Stoffeinträgen aus der Sickerwasserzone hergestellt werden.

Thematische Auswertungen und kartografische Darstellungen der Ergebnisse erfolgen über ein Geographisches Informationssystem (GIS) u. a. zur:

    • Gesamtgebietlichen und landwirtschaftlichen Flächennutzung
    • Verteilung der Bodeneinheiten (Bodentypen und Bodenarten) 
    • Nährstoffdynamik der Böden (z.B. Stickstoffnachlieferung, Denitrifikationspotential)
    • Kenndaten des Bodenwasserhaushaltes (z.B. jährliche Tiefenverlagerung von Nährstoffen)
    • Auswaschungsgefährdung von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln
    • Differenzierung von Flächen mit unterschiedlichen Funktionen für den Gewässerschutz

Diese flächenbezogenen Darstellungen ermöglichen die Ausweisung prioritärer Standorte für den Gewässerschutz, wodurch flächenbezogene Maßnahmen gezielt geplant werden und eine höchstmögliche Wirksamkeit erreichen können. Zudem können die Standortdaten für die Beratung (z.B. für eine flächen-bezogene Düngeplanung) genutzt werden.