Ziel eines Wasserschutzkonzeptes ist es, die Grundwasserqualität in Wassergewinnungsgebieten, wie auch flächendeckend (etwa bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie) langfristig zu sichern bzw. zu verbessern. Eine dreidimensionale Betrachtung von Nährstoffströmen, wozu die Beratungsdaten der Agrarumweltberatung (Flächenbewirtschaftung und Nährstoffbilanzen an der Oberfläche) und die Daten der Standortbewertung (stofflicher Zustand in der Sickerwasser- und Grundwasserzone) zusammengeführt werden, ist fachliche Grundlage eines gebietsspezifischen Wasserschutzkonzeptes.

Die Aufstellung eines Konzeptes erfolgt in Wasserschutzgebieten gemeinsam mit den Mitgliedern der lokalen Wasserschutz-Kooperation von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft. Auf der Betrachtungsebene des Flussgebietes (Wasserrahmenrichtlinie) sind die Akteure der Gebietsforen in die Konzeption einbezogen, um jeweils auf der Basis der Freiwilligkeit die Umsetzung vorzunehmen.

Ein Wasserschutzkonzept umfasst in der Regel folgende Vorgehensweise:

  • Umsetzung einer betriebsbezogenen Agrarumweltberatung, abgestuft nach der Relevanz der Landwirtschaftsbetriebe für den Gewässerschutz. Durch diese Spezialberatung werden die Betriebsleiter bei der Durchführung einer grundwasserschützenden Bewirtschaftung unterstützt.

  • Durchführung der gebietsbezogenen Standortbewertung zur Ermittlung besonders sensibler Flächen mit einer hohen Priorität für den Grundwasserschutz.

  • Planung von Maßnahmen des Gewässerschutzes (Agrarumweltmaßnahmen, freiwillige Vereinbarungen in Wasserschutz- oder Flusseinzugsgebieten), die aufgrund der Kenntnis der prioritären Flächen für den Grundwasserschutz gezielt positioniert und umgesetzt werden können.

  • Durchführung einer Erfolgskontrolle (Monitoring), um die Wirksamkeit von Beratung und Maßnahmen mit dem Ziel einer nachhaltigen Verbesserung der Grundwasserqualität zu überprüfen: Indikatoren sind:

    • Entwicklung der betrieblichen Hoftor-Nährstoffbilanzen bzw. der Flächenbilanzen der Nährstoffvergleiche (DüV) als Indikator für die Nährstoffsalden auf den Flächen (Emissionsindikator im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie)

    • Entwicklung der Flächennutzungsverhältnisse und der gemessenen Herbst-Nmin-Werte eines für das Gebiet repräsentativen Nmin-Flächenkatasters (Emissionsindikator)

    • Entwicklung der stofflichen Sickerwasser-Konzentrationen, die durch Tiefbohrungen ermittelt werden, als Indikator für die Nährstoffeinträge in das Grundwasser (Immissionsindikator im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie)

    • Entwicklung der stofflichen Konzentration an der Grundwasser-Oberfläche und im Rohwasser der Förderbrunnen (Immissionsindikator)

Dieses methodische Vorgehen ermöglicht das frühzeitige Erkennen der Wirksamkeit von Beratung und Maßnahmen. Erfolge bzw. Optimierungsbedarf werden bereits im ersten Jahr nach Beginn der Erfolgskontrolle sichtbar.

  • Einbindung des Konzeptes in die regionalen Planungen, um Synergien bei der Maßnahmenplanung mit allen Flächennutzern (Landwirtschaft, Naturschutz, Forst, Kommunalplanung) im Sinne des Grundwasserschutzes herzustellen.

  • Öffentlichkeitswirksame Darstellung der Dienstleistungen zum Grundwasserschutz durch Broschüren, Flyer, Informationstafeln, Feldrundfahrten und weitere Veranstaltungen

Das beschriebene methodische Vorgehen bezieht sich auf den Grundwasserschutz, insbesondere mit dem Ziel der Verminderung von Nitrateinträgen aus der landwirtschaftlichen Bodennutzung. Das Konzept kann modifiziert auch auf den Oberflächengewässerschutz übertragen werden. Die Beratung, die Standortbewertung und die Erfolgskontrolle beziehen sich dann auf die Vermeidung eines möglichen Eintrags von Stickstoff, Phosphor und ggf. Pflanzenschutzmitteln in die Oberflächengewässer über die Austragspfade von Bodenerosion, Abschwemmung, lateralem Wassertransport und Drainagen.